Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf. - Willy Brandt
Die Politik muss diskutieren, welche Rahmenbedingungen für ein solidarisches, gerechtes und eigenverantwortliches Zusammenleben unabdingbar sind. Die Grundlage dafür ist eine Schweiz, welche sich für gleiche Chancen und Möglichkeiten seiner Einwohnerinnen und Einwohner einsetzt. Deswegen bin ich Mitglied der FDP. Die FDP setzt sich dafür ein, dass dem Einzelnen Eigenverantwortung übertragen und zugetraut wird. Jede und jeder soll das eigene Potenzial nutzen können und steht damit auch in der Verantwortung zum Funktionieren unserer Gesellschaft beizutragen.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Als Mutter von drei Kindern kenne ich die Herausforderung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen aus eigener Erfahrung. Damit die Vereinbarkeit gelingen kann, braucht es Teilzeitstellen für Frauen und Männer, flexible Arbeitszeiten und ein umfassendes Angebot an familienergänzenden Betreuungsangeboten. Ich habe mich als Schulleiterin dafür eingesetzt, dass auch Männer Teilzeit arbeiten können und in der Tagesschule Matten haben wir ein qualitativ hochstehendes Angebot für eine Ganztagesbetreuung aufgebaut. In der Abteilung Soziales sind wir momentan dabei, Betreuungsgutscheine einzuführen, damit Eltern eine breitere Auswahl an subventionierten Plätzen im Vorschulalter zur Verfügung haben. Ich befürworte momentan einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Mittelfristig strebe ich einen massvollen Elternurlaub an, der beiden Elternteilen erlaubt, nach der Geburt ihre Erwerbstätigkeit aufrecht zu erhalten und eine faire Arbeitsteilung zu vereinbaren. Das dient nicht nur der Gleichstellung, sondern entschärft auch den Fachkräftemangel. Es braucht Rahmenbedingungen, damit eine Mutter die gleichen Entscheidungsmöglichkeiten und Freiheiten hat wir ein Vater. Nur so erreichen wir echte Gleichstellung.

Individual- statt Familienbesteuerung aus der Nachkriegszeit

Das heutige Steuermodell stammt aus der Nachkriegszeit, als Frauen mit der Heirat den Erwerb aufgaben. Es wirkt für das kleinere Einkommen – häufig jenes der Frauen – demotivierend, weil es sich aufgrund der hohen Progression wenig lohnt, einem Erwerb nachzugehen. Eine modifizierte Individualbesteuerung würde nicht nur die „Heiratsstrafe“ eliminieren, sondern zusätzliche Beschäftige – mehrheitlich Frauen – auf den Arbeitsmarkt bringen. Ein Gewinn für den Arbeitsmarkt und für die Realisierung der Gleichstellung!

Altersvorsorge

Die Reform der AHV ist eines der drängendsten und wichtigsten Geschäfte der nächsten Legislaturperiode und es ist an der Zeit, den Tatsachen, zum Wohl unserer Kinder, endlich in die Augen zu schauen: 2018 hat die AHV einen Verlust von 2,22 Milliarden Franken eingefahren. Ich bin dafür, das Rentenalter für Frauen auf 65 Jahre anzuheben und längerfristig wird wohl auch eine weitere sukzessive Erhöhung für Mann und Frau nötig sein. Parallel dazu müssen flankierende Massnahmen ergriffen werden, um die älteren Arbeitnehmerinnen und –nehmer für den Arbeitsmarkt fit zu halten: Flexibilisierung des Rentenalters, Teilzeitstellen für Angestellte kurz vor der Pension, Coaching und gezielte Weiterbildungen für Personen ab 50 Jahren, usw. Hier gilt es einen Effort zu leisten, um individuelle und kreative Lösungen zu finden.

Bildung

Es braucht sowohl die beruflich, praktische als auch die akademische Richtung der Berufsbildung. Meistens wird die Schullaufbahn durch die Eltern gesteuert und diese tendieren dazu, ihr Kind fürs Gymnasium zu trimmen. Deswegen muss die Überzeugungsarbeit für den dualen Bildungsweg bereits Ende Primarschule bei der Elternarbeit ansetzen. Ich setze mich für eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Gewerbe ein. Die Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Bildung müssen sowohl auf kantonaler als auch auf nationaler Ebene instutionalisiert sein. Daneben ist es zentral, unseren Forschungsplatz zu fördern, damit wir die Schweiz als hervorragenden Wirtschaftsstandort erhalten können. Denn, nur durch Innovationen werden wir fähig sein, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Mobilität und Klimaschutz

In den vergangenen Jahrzenten hatten wir einen relativ sorglosen Umgang mit unseren Ressourcen. Ich finde es gut, dass hier ein Wandel stattfindet. Ich sehe zwei Ansätze, welche zentral sind: Erstens muss sich jede Person individuell überlegen in welchen Bereichen sie bereit ist, Änderungen vorzunehmen und sich allenfalls einzuschränken. Ich persönlich bin viel und gerne mit dem Velo und ÖV unterwegs und nehme Dienstleistungen, z.B. Gemüse, Fleisch oder Handwerkerdienste, aus dem Dorf und Umgebung in Anspruch. Zweitens bin ich überzeugt, dass in innovativen Entwicklungen viel Potential liegt. So werden sich Mobilität, Gebäudebeheizung, Fernwärmerversorung oder Stromspeichersysteme durch die Digitalisierung und andere Technologien weiterentwickeln und neue Optionen eröffnen. Ich unterstütze das Massnahmenpaket, welches der Ständerat beschlossen hat: Die Treibhausgasemmissionen gegenüber 1990 bis 2030 halbieren und davon 60% mit Massnahmen im Inland umsetzen, eine Lenkungsabgabe mit einem Klimafonds für den Flugverkehr und für Brennstoffe sowie verpflichtende CO2-Grenzwerte für Gebäude. Durch diese Massnahmen ist eine Umsetzung der Pariser Klimaziele realistisch und macht einen grossen Schritt hin zur Erreichung des Ziels von Netto-Null-Emmission bis 2050.

Unsicherheiten ausräumen und ein verlässlicher Partner sein

Ich bin für das Rahmenabkommen. Scheitert der Rahmenvertrag, wird die Schweiz mit Nadelstichen leben müssen, welche der Wirtschaft schaden. Entscheidend für die Zukunft der Schweiz ist zuerst einmal das Abkommen selbst. Dadurch können Unsicherheiten ausgeräumt werden, welche die Investitionstätigkeit bremsen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir die Vorgaben bei der Unionsbürgerrichtlinie und beim Lohnschutz konkretisieren und in diesen Bereichen keine weiteren Zugeständnisse an die EU machen.